Massagen – Verwöhnzeit und mehr

Massagen zählen zu den beliebtesten Wellness-Anwendungen, denn sie wirken auf die Psyche ein wie auf den Körper. Warum das so ist und welche Massagen besonders geeignet sind, um den „Winter-Blues“ zu verscheuchen, darüber sprachen wir mit Carolin Brandner, SPA-Leiterin im Panorama SPA im Europäischen Hof Heidelberg.

LIEBE FRAU BRANDNER, MASSAGEN ZÄHLEN ZU DEN BELIEBTESTEN ANWENDUNGEN IM SPA. WARUM IST DAS EIGENTLICH SO?
Eine Massage ist der perfekte Weg, um sich ganzheitlich und nachhaltig zu entspannen und gleichzeitig etwas für die eigene physische und psychische Gesundheit zu tun. Viele Menschen erleben ihren Alltag als durchgetaktet und reizüberflutet. Sie kennen das ja – im Job muss man funktionieren, auch außerhalb der Arbeit hat man Pflichttermine, gleichzeitig möchte man für Familie und Freunde da sein. Man ist nicht mehr bei sich, man reagiert nur noch auf Anforderungen und lebt oft an sich selbst vorbei. Alles ist zu viel, und genug ist nie genug. Der empfundene Stress chronifiziert sich, weil er nicht abgebaut werden kann. Hier versuchen wir, die Menschen abzuholen oder wie ich es gerne ausdrücke, aufzufangen. Das fängt bei der herzlichen Begrüßung am Wellness-Empfang an, geht über die individuelle Betreuung während der Massage und endet nach einer kleinen Ruhezeit.

Wenn man eine Massage in Anspruch nimmt, hält man die Zeit kurz an. Man kann Atem schöpfen und sich wieder im Einklang mit der Welt fühlen. Wenn ich es etwas pathetisch ausdrücken darf, würde ich sagen, die Seele verbindet sich wieder mit dem Körper und umgekehrt. Viele Menschen, die sich regelmäßig massieren lassen, bauen das als essenziellen Fixpunkt in ihrer Wochen- oder Monatsplanung ein. Andere wiederum, die sich zum ersten Mal massieren lassen, sind oft überrascht und begeistert von dem, was der Genuss einer Massage zu vollbringen vermag. Manche Gäste schütten den Massage-Therapeutinnen und -Therapeuten ihr Herz aus und erleichtern sich verbal in dieser geschützten Atmosphäre. Manche schweigen lieber und genießen. Einige entspannen sich so, dass sie einschlafen, und sind davon dann selbst überrascht. All das muss ich als Massage-Therapeutin oder -Therapeut erspüren können. Grundlegend sind also gut ausgebildete, feinfühlige und empathische Massage-Therapeutinnen und -Therapeuten, die gerne individuell auf den Gast eingehen und gerne beraten. Eine Massage vereint, wenn all dies gegeben ist, ein ganzheitliches Verwöhnprogramm „nur für mich“ und bietet darüber hinaus zahlreiche positive Effekte auf die Gesundheit, die auch nach der Massage-Zeit an sich nachwirken können.

WAS PASSIERT IM KÖRPER BEI EINER MASSAGE? DASS MASSAGEN DIE MUSKELN ENTSPANNEN, IST BEKANNT. KÖNNEN SIE NOCH MEHR, HABEN SIE WEITERE POSITIVE EINFLÜSSE AUF DEN KÖRPER (ODER UND DIE PSYCHE)?
Genauso ist es. Bei einer Massage werden nicht nur einfach Muskeln entspannt. Neben der Durchblutungsförderung und der Aktivierung des Lymphflusses werden auch andere Stoffwechselprozesse in Gang gesetzt, es kann zum Abbau von unerwünschten Stoffwechselprodukten führen. Darüber hinaus können verschiedene Grifftechniken auch verschiedenes bewirken; je nach Wunsch kann das sympathische oder das parasympathische Nervensystem aktiviert werden, also die Massage eine anregende oder beruhigende Wirkung haben. Der Einsatz von hochwertigen Aroma-Ölen kann die jeweilige Wirkung verstärken: Beruhigende Vanille oder Melisse, stimmungsaufhellende Orange oder Mandarine, erfrischende Minze etc. Bei Düften gilt jedoch immer, dass der Gast sich mit ihnen wohlfühlen muss. Jeder Mensch nimmt Düfte unterschiedlich wahr. Oft können Düfte auch stark mit individuellen Emotionen und Erinnerungen gekoppelt sein.

Zudem kommt, dass durch die Berührung im Körper vor allem das Hormon Oxytocin ausgeschüttet wird, das vielen oft einfach nur als „Wohlfühlhormon“ bekannt ist. Man könnte Oxytocin auch als Gegenspieler vom Stresshormon Cortisol bezeichnen. Oxytocin senkt den Cortisolspiegel im Blut. Das bedeutet, die Stressantwort des Körpers wird herabgesetzt, der Herzschlag verlangsamt sich, der Blutdruck wird gesenkt. Es stimmt uns friedlich und gelassen. In weiteren biochemischen Prozessen werden zusätzliche Botenstoffe freigesetzt. Serotonin beruhigt und Dopamin stimmt uns glücklich, wenn man es so ausdrücken möchte. Zudem können Endorphine als körpereigene Schmerzmittel wahrgenommen werden. Wir sehen dieses „Vorher/Nachher“ unseren Gästen auch an, sie bekommen eine viel positivere Ausstrahlung. Das beeindruckt mich immer am allermeisten und immer wieder aufs Neue.

Auf der einen Seite haben Sie also die mechanischen Einwirkungen auf das Gewebe mit den erwähnten positiven Eigenschaften auf den gesamten Organismus (Durchblutung der Muskeln, Förderung des Stoffwechsels und Aktivierung der Lymphtätigkeit) und auf der anderen Seite die biochemischen Prozesse, die im Körper angeregt werden. Dieser Effekt hält auch noch nach der Massage an. Das bedeutet konkret, dass ich auf Stressoren aus der Umwelt gelassener reagieren kann, wenn ich jetzt beispielsweise nach der Massage nach Hause fahren möchte, weil ich nicht im Hotel nächtige und die Straßenbahn kommt wieder einmal nicht und es setzt kühler Nieselregen ein. Das kann mir dann fast nichts anhaben.

WELCHE MASSAGE EMPFIEHLT SICH JETZT IN DEN KÜHLEN MONATEN, GEGEN DEN „WINTERBLUES“? WAS TUT JETZT BESONDERS GUT?
Vor allem in der kühleren und dunkleren Jahreszeit erfreuen sich Massagen großer Beliebtheit, wenn natürliches Sonnenlicht ein knapperes Gut wird und dadurch die von uns bereits thematisierten körpereigenen „Glückshormone“ geringer produziert werden können und das zu Stimmungstiefs führen kann und „Winterblues“. Rein prinzipiell ist jede Massage dazu geeignet, das Wohlbefinden zu steigern, auch im Winter.

Aufgrund der wärmenden Eigenschaften empfehlen wir in den kühleren Monaten auch gerne die bekannte Hot Stone Massage, eine Spezialmassage, bei der die Massage-Therapeutin oder der Massage-Therapeut glatte, erhitzte Steine verwendet, die entweder auf den Körper gelegt oder als Verlängerung der Hände dienen. Diese Massage-Behandlungsmethode kann dazu beitragen, das Immunsystem zu stärken und Symptome wie Müdigkeit zu lindern. In manchen Wellnessbetrieben und auch bei uns im Europäischen Hof wird die LAVA SHELL Massage angeboten, welche mein persönliches Highlight ist. Das ist eine schöpferische Wärmemassage mit selbstheizenden Venusmuscheln. Ihren Ursprung hat diese besondere Massagetechnik auf den Philippinen. Die von den Muscheln übertragene Wärme dringt tief in Muskeln und Gewebe ein und löst eine herrliche Entspannung aus. Diese Art der Massagetherapie ist ein sehr besonderes Erlebnis und bietet natürlich auch alle bereits angesprochenen gesundheitlichen Benefits. Gutscheine rund um das Thema Wellness, vor allem Massage-Gutscheine, sind auch sehr beliebte Geschenke. Man verschenkt damit also wertvolle, sinnvolle Zeit.

WIE KANN ICH MEINEM KÖRPER NACH DER MASSAGE ZUSÄTZLICH ETWAS GUTES TUN?
Gleich nach der Massage empfehlen wir, sich die Zeit zu nehmen und etwas zu ruhen. Am besten kann man bei einer Tasse leckeren Tee und gut eingepackt in eine warme Decke entspannen. Es kann vorkommen, dass man sich ein bisschen müde fühlt. Um den Kreislauf anzukurbeln, eignen sich dann auch kleine Spaziergänge an der frischen Luft. Anstrengende körperliche Aktivitäten sind jedoch eher kontraproduktiv. Ein warmes Bad und/oder leichtes Stretching kann den Muskeln ebenfalls helfen, sich zu regenerieren und muskelkaterähnlichen Erscheinungen entgegenzuwirken oder sie zu lindern. Ausreichendes Trinken (Wasser, Kräutertee oder Kokoswasser) ist auch sehr wichtig, da bei einer Massage wirklich etwas in Bewegung gerät. Damit kann man den Körper nach einer Massage bestens unterstützen.